Was vom Eis übrig blieb




Hildesheimer Algemeine Zeitung 06.06.07


Nach sieben Wochen geht die Wette von Umweltzentrum und Stadt zu Ende / 420 Liter geschmolzen


Hildesheim (vb). Gegen halb eins gestern Mittag ging die Eisblockwette zu Ende. Die Holzhütte, die sieben Wochen lang in der Almsstraße stand, wurde an zwei Seiten abgebaut und gab den Schaulustigen den Blick frei auf einen viereckigen weißen Kanister. Aus dem Behälter ragte unten ein Schlauch. Minutenlang floss hier das Wasser heraus und wurde in einen überdimensionalen Messbecher geleitet – 420 Liter insgesamt.
Das Projekt, eine Zusammenarbeit von Stadt und Umweltzentrum, begann am 22. März: 1000 Liter Eis wurden damals in das kleine Holzhaus gepackt. Verflüssigt haben sich von diesem Kubikmeter nach genau 75 Tagen 420 Liter. Bleiben 580 Liter, oder 58 Prozent, die noch gefroren zurückgeblieben sind.
Christian Krippenstapel, Leiter des Umweltzentrums, wertet den Ausgang der Eisblockwette als Erfolg. „Wir wollten einfach zeigen: Dämmen kann jeder. Darum ging es uns“, sagte er erfreut im Anschluss an die Veranstaltung. Denn die Wände des kleinen Holzhauses waren mit Zellulose, einem natürlichen Dämmstoff, isoliert. Dadurch sollte die Kälte in der Hütte bleiben. Auch Oberbürgermeister Kurt Machens war überzeugt von dem Projekt. „Man lernt daraus: Es lohnt sich zu sagen: Ich dämme mein Haus“, sagte er.
Während der sieben Wochen konnte jeder Interessierte einen Tipp abgeben, wie viel Eis wohl am Ende noch übrig bleibe. 578 Menschen haben mitgeraten.
Enttäuscht waren einige Schaulustige, dass sie das Rest-Eis nicht zu Gesicht bekamen. „Um den Block sichtbar zu machen, hätten wir den Bottich aufschneiden müssen. Das wäre eine Riesenmenge Müll gewesen. So können wir den Kanister noch für Regenwasser nutzen“, erläuterte Krippenstapel. Auch gab es Verwirrung, ob wirklich die gesamte Flüssigkeit herausgelassen wurde. „Wir haben nach bestem Gewissen den Hahn dann zugedreht, als nichts mehr drin war, was das Ergebnis wirklich verändert hätte“, versicherte Krippenstapel.
Betrug sei die Veranstaltung aber gewiss nicht gewesen. Gut 40 Eisblockwetten, so schätzt er, habe es in den vergangenen Jahren in Deutschland gegeben. Nachgefragt beim Experten: Kann man eine gewisse Menge Eis über sieben Wochen konservieren? Theoretisch ist das möglich, bestätigt Architekt und Energieberater Frank Melchior. „Es kommt eben nur auf die richtige Dämmung an.“
Froh war gestern aber nicht nur Christian Krippenstapel: Auch die kleinen Besucher des Kindergartens St. Georg haben etwas von dem Projekt: Sie erhalten die Holzhütte als neues Gerätehaus. Ungedämmt.

Foto: Oberbürgermeister Machens (links) ging Christian Krippenstapel bei der Auflösung der Eisblockwette zur Hand. Minutenlang floss das Wasser aus dem Bottich. Dann stand fest: 420 Liter des Eisblockes waren in 75 Tagen geschmolzen, 580 noch gefroren. Foto: Gossmann




Bericht Eisblockwette im "TV-Hildesheim" vom 30.03.07




der Bericht ist nun im Internet: Eisblockwette

Seit dem 22.3.2007 - dem Tag des Wassers - steht in der Fußgängerzone ein
seltsamer fensterloser Verschlag mit einem begrünten Dach. der Inhalt
dieses "Hauses" ist noch viel eigenartiger: Ein 1 Kubikmeter großer
Eisblock.


Filmlänge: 2:46 Minuten


http://www.hildesheim-tv.de/index.php?option...



Eiszeit in der Fußgängerzone




Hildesheimer Algemeine Zeitung
23.03.07


Eisblock im Passivhaus / Wie viel schmilzt bis zum 5. Juni?

Hildesheim (vb). Das Wetter passte zur Wette. Nass und kalt war es gestern mittag. Genauso nass und kalt wie der 1000-Kilogramm-Eisblock, der von nun an in einem kleinen Passivhaus in der Almsstraße steht und dort munter vor sich hin schmilzt. Oder tut er das etwa nicht? Genau darum dreht sich die zentrale Frage der „Eisblockwette“, die das Umweltzentrum gemeinsam mit der Stadt in der Fußgängerzone veranstaltet: Wieviel Prozent des Eisblockes ist am 5. Juni noch übrig?

„Die Wette soll zeigen, was mit einer guten Wärmedämmung erreicht werden kann“, sagt Eva Martin. Geschäftsstellenleiterin des Umweltzentrums. Denn im besten Fall schmilzt vom Eisblock möglichst wenig weg: Um den Block herum ist ein kleines Passivhaus aus Holz gebaut. „Der Raum zwischen Eisblock und Haus ist mit Zellulose gedämmt“, erklärt Martin und fügt an: „Die Kälte wird in dem kleinen Haus gespeichert, und so kommt es zu einem möglichst niedrigen Energieverlust“. Zweieinhalb Monate wird der Eisblock in dem Haus bleiben. Hildesheim ist eine von 40 deutschen Städten, die die Wette veranstalten. Oberbürgermeister Kurt Machens erschien ebenfalls zur offiziellen Eröffnung und zeigte sich erfreut über das Projekt. „Bei der Eisblockwette geht es darum, Antworten zu geben auf Fragen der Klimaveränderung. Ich hoffe, dass es gelingt, den Eisblock sehr, sehr lange in seinem ursprünglichen Umfang zu erhalten“, sagte Machens. Alle, die mitraten, können Sachpreise in Höhe von 2000 Euro gewinnen. „Zum Beispiel Einkaufsgutscheine, Tickets von der Bahn oder vom Wasserparadies“, sagt Martin. Die Info-Broschüre zum Mitmachen gibt es in der Fußgängerzone beim Passivhaus und in der Andreas-Apotheke. Der Gewinner wird am 5. Juni – dem Tag der Umwelt – ermittelt.

Einsendeschluss ist der 1. Juni. Weitere Informationen zu der Wette gibt es beim Umwelttelefon der Stadt, Rufnummer 30 12 50, oder beim Umweltzentrum, Telefon 70 84 17.




Eisblockwette Hildesheim im Kehrwieder




Kehrwieder vom 24.03.07




„Wenn wir sanieren, dann richtig“




Bilanz der Aktionstage Klima, Energie & Wohnen: Erwartungen übertroffen

Hildesheim/Alfeld. Strahlende Gesichter bei den Organisatorinnen der Aktionstage Klima, Energie & Wohnen: Ihre Erwartungen wurden deutlich übertroffen. „Das Umdenken ist da“, lautet die Bilanz des Klimabüros und Umweltzentrums Hildesheim sowie der Alfelder „Planungsgruppe Energie + Bauen“. Mitorganisatorin Melanie Kammerer fasst den Sinneswandel unter den Hauseigentümern so zusammen: „Wenn wir sanieren, dann richtig.“

Die Aktionstage haben gezeigt, wie man bei Sanierungsvorhaben Umweltschutz und Spareffekte kombinieren kann. Rund 50 Hausbesitzer und Mieter nutzten das Angebot der kostenlosen Energieberatungen. Hier wussten Fachleute Rat, welche Maßnahmen sinnvoll sind und wo kompetente Hilfe zu Themen wie Schimmel, Wärmebrücken oder Dämmstoffe zu finden ist.

Auch die täglichen Fachvorträge im AcKu-Café seien gut besucht gewesen, sagt Marion Kammritz vom Klimabüro – vor allem die Abende zu den Themen „Energieschleuder Wohnhaus“ und „Energieausweis für Gebäude“. Bis zu 30 Besucher hätten sich in dem Café gedrängt.

„Sehr inspirierend“ sei zudem die Exkursion gewesen, berichtet Marion Kammritz. Im Energie- und Umweltzentrum Eldagsen gab es die Theorie zu den Innereien eines Passivhauses, anschließend konnten die Teilnehmer in Alfeld ein halbfertiges KfW-60-Haus und ein Passivhaus besichtigen. Sie stellten erstaunt fest, dass man selbst im Winter ganz ohne Heizung auskommen kann.

Das Angebot für Schulen, mit Hilfe einer DVD das Thema Passivhaus und Energiesparen in den Unterricht einzubringen, sei hingegen nicht gut gelaufen. Die Vorlaufzeit sei wohl zu kurz gewesen, merkt Eva Martin vom Umweltzentrum selbstkritisch an. Im kommenden Jahr wolle das Umweltzentrum jedoch einen neuen Anlauf unternehmen.

Zum Abschluss der Energietage wurden am heutigen Freitag die Gewinner des Preisrätsels ermittelt. Wolfgang Biwanno aus Hildesheim gewann die Erstellung eines Energieausweises für ein Wohngebäude. Norbert Oswich aus Gronau bekommt eine kostenlose Schimmel- und Feuchteberatung, weitere Hauptpreise gehen an Gerlinde Springmann in Wehrstedt und Reinhardt Hoffmann in Bad Salzdetfurth. Alle anderen Rätsel-Teilnehmer, die die richtige Lösung B auf ihrer Karte vermerkt hatten, können sich bis zum 14. Dezember montags bis donnerstags zwischen 10 und 13 Uhr im Klimabüro Kleinpreise abholen (im Mehrgenerationenhaus an der Steingrube).

Wer noch Fragen zu den Themen Energie und Wohnen hat, kann sich unter der Telefonnummer 05121/704817 an das Umweltzentrum wenden. Oder per E-Mail: info@umweltzentrum-hildesheim.de. Das Klimabüro wird leider zum Jahresende geschlossen.





Energie-Detektiv auf der Suche nach Lecks




Die Thermografie hilft nicht nur Hausbesitzern, Geld zu sparen / Kostenlose Vorträge bei den Klimatagen

„Energie ist noch zu billig. Der Umweltschutz spielt bisher kaum eine Rolle.“ Starke Worte, aber Daniel Jung weiß, wovon er spricht. Als fachzertifizierter Thermograf und Mitglied des Hildesheimer Umweltzentrums hat er es täglich mit Energieschleudern zu tun – seien es private oder öffentliche Gebäude, Industriekomplexe oder Elektro-Anlagen. Der Thermograf ist so etwas wie ein Energie-Detektiv: Er findet die Schwachpunkte und leckgeschlagenen Stellen.

Daniel Jungs wichtigstes Werkzeug ist eine hochsensible, 40000 Euro teure Infrarot-Kamera. „Vom Prinzip her ist es wie eine Videokamera, nur dass wir nicht Licht, sondern Wärme aufnehmen.“ Das Objektiv besteht aus Germanium, einem künstlichen Kristall. Ein Chip in der Kamera nimmt die Wärmestrahlung auf, über einen Computer werden die Daten in farbige Bilder umgewandelt.

Die Kamera bildet nur ab, was auf den Oberflächen passiert, es gibt keinen Röntgeneffekt. Also macht Daniel Jung Innen- und Außenaufnahmen von Häusern und Geräten, um so genannte Wärmebrücken zu finden. „Für mich ist jedes Objekt ein Strahler“, sagt Daniel Jung. Jeder Gegenstand, dessen Temperatur über dem absoluten Nullpunkt liegt (minus 273,15 Grad), gibt Wärmestrahlung ab. Deshalb lassen sich mit der Methode nicht nur Hauswände und Fensterfassaden untersuchen, sondern genauso Fußbodenheizungen, Isolierungen von Rohren, Sicherungskästen – oder Menschen. Auch in der Medizin wird das Verfahren angewendet.

Die leuchtend bunten Aufnahmen der Thermografie sehen eindrucksvoll und erschreckend zugleich aus. So viel Wärme entweicht überall? Nein, so einfach ist es bei weitem nicht, sagt Daniel Jung, der bei der niedersächsischen Architektenkammer Energieberater ausbildet und auch andere Anwender der Thermografietechnik schult. Das Problem liegt darin, dass alle Materialien unterschiedlich viel von ihrer Wärme abstrahlen. Ein Beispiel: Bei einer Backsteinmauer entspricht der von der Kamera aufgezeichnete Wert etwa 94 Prozent der tatsächlichen Wärmestrahlung – bei einer hochpolierten Aluminiumfläche sind es nur fünf Prozent.

„Wir schauen uns etwas an, das sehr stark interpretiert werden muss“, unterstreicht Daniel Jung. Die Kunst, die Analysewerte richtig einzuordnen, ist entscheidend, um geeignete Gegenmaßnahmen planen zu können. Viele Lecks, so der Hildesheimer Experte, können in Eigenarbeit behoben werden: Türen genauer einstellen, Fensterdichtungen erneuern, die Dachdämmung an einzelnen Stellen ausbessern. Doch bei größeren Problemen wie Wärmebrücken in der Hauswand verweist er an Energieberater.

Selbst wenn die nötigen Sanierungen auf den ersten Blick viel Geld kosten – das Eingreifen lohnt sich fast immer. „Je nach dem, wie umfassend man aktiv wird, kann man bis zu 50 Prozent einsparen“, sagt Melanie Kammerer, eine dem Umweltzentrum angeschlossene Energieberaterin. Sie empfiehlt daher, einen Gebäudepass erstellen zu lassen. Das wird sogar von der Bundesregierung bezuschusst. „Bei den Bestandsobjekten, die zwischen 1950 und 1980 gebaut worden sind, braucht eigentlich jeder einen Energieberater“, ergänzt Daniel Jung. Die weitaus meisten Häuser hätten Werte im roten Bereich.

Ist es da nicht frustrierend, als Thermograf tätig zu sein? Im Gegenteil, sagt Daniel Jung: „Es ist eine total vielfältige Tätigkeit, und sie macht mir unheimlich viel Spaß. Weil es immer eine Lösung für die Probleme gibt.“ So habe er schon geholfen, viele Millionen Liter Öl und Gas zu sparen. ran





Der Turbodiesel im Wohnzimmer




Umweltzentrum Hildesheim warnt vor hoher Schadstoff-Belastung in Wohnräumen und Gefahren für die Gesundheit

Hildesheim. Feinstaub ist in aller Munde. Im wahrsten Sinne des Wortes. Doch das Umweltzentrum Hildesheim warnt, die Diskussion werde viel zu einseitig geführt. „Von wegen: Feinstaub ist draußen. Die Belastung haben wir genauso zu Hause“, sagt Daniel Jung vom Umweltzentrum. Christian Krippenstapel bestätigt: „Das ist ein hochsensibles Thema, aber es kümmert sich niemand darum.“ Der Experte für Thermografie und Luftdichteprüfungen und der Umweltchemiker sind sich einig: „Wir brauchen gar nicht die Fenster zu öffnen. Den Turbodiesel haben wir im Wohnzimmer.“

Seit die EU neue Grenzwerte festgesetzt hat, fügt sich eine Großstadt nach der anderen in die Reihe derer, die die vorgeschriebene Höchstbelastung überschritten haben. Besonders Industrie- und Autoabgase sind im Blickpunkt. Daniel Jung hält die Debatte für „hochgepusht und emotional“, weil die genauso gefährliche Feinstaub-Belastung in Wohnräumen unter den Tisch gekehrt werde. „Der Privatbereich ist quasi ein rechtsfreier Raum“, ergänzt Christian Krippenstapel. „Aber was allein schon aufgewirbelt wird, wenn man eine Bettdecke ausschüttelt…“

Feinstaub in der Wohnung sei vor allem deshalb so gefährlich für die Gesundheit, weil sich zahlreiche Schadstoffe daran binden oder weil Schimmelsporen darin enthalten sind, so die Fachleute vom Umweltzentrum. Normaler Staub bleibt in den Bronchien hängen, Feinstaub dringt bis in die Lungenbläschen. In Verbindung mit Schimmelsporen verursacht er Krankheiten wie Asthma oder andere Atembeschwerden, Neurodermitis, verschiedenste Allergien, Magen-Darm-Probleme. Häufig tauchen mehrere Symptome gleichzeitig auf, was die Diagnose des Arztes erschwert.

Daniel Jung berichtet von einem aktuellen Fall am Steinhuder Meer: Ein junges Paar wohnt in einem alten Haus, seit langem leidet die Frau unter Bronchitis. Medikamente helfen nicht. Eine Kur sorgt für Besserung, doch gleich nach der Rückkehr kommen die Beschwerden wieder. „Das ging so weit, dass sie Blut hustete“, so Jung. Endlich habe sie vom Arzt den Rat erhalten, das Wohnumfeld untersuchen zu lassen. Die Überprüfung habe nicht lange gedauert, erzählt Daniel Jung. „Man hat nichts gesehen und kaum etwas gerochen.“ Doch seien ihm beim Gang durch die Wohnung sofort Hohlräume unter dem Holzfußboden aufgefallen. Ein Blick unter die Dielen enttarnte blühende Schimmelpilzkulturen.

Es gibt rund 100.000 Arten von Schimmel, die weitaus meisten in der freien Natur, nur etwa 100 in geschlossenen Räumen. Einige von ihnen sondern Giftdämpfe ab, sogenannte Mycotoxine, um zu verhindern, dass die Sporen gefressen werden, beispielsweise von Hausstaubmilben. Die Sporen fliegen millionenfach in der Luft umher und werden eingeatmet. Viele Menschen haben kein Problem damit; andere reagieren umso stärker. „Ganz häufig sind Kinder betroffen“, berichtet Daniel Jung, „die sind offensichtlich empfindlicher dafür.“

Die Grundvoraussetzung für das Gedeihen von Schimmelpilzen ist Feuchtigkeit, oft im Verbund mit mangelnder Lüftung oder Heizfehlern. Das Problem beschränkt sich nicht auf alte Häuser, sondern findet sich vermehrt auch in Neubauten. Neue Häuser sollen heute möglichst schnell bezugsfertig sein, so Jung und Krippenstapel. „Doch eigentlich müsste man Neubauten erst mal fünf bis sechs Monate trocknen lassen, mindestens.“ Moderne Gipsputze, Struktur- und Rauhfasertapeten im Verbund mit Dispersionsfarben böten zudem beste Nährböden für Schimmelpitze.

Die unheilige Allianz von Sporen und Feinstaub ist nur an der Wurzel zu packen. Denn mit einem normalen Staubsauger lässt sich da gar nichts machen. „Die Feinstäube werden hinten 1:1 wieder rausgepustet“, sagt Christian Krippenstapel. Nur die teureren Fabrikate verfügten über spezielle Filter, mit denen sich die Belastung wenigstens vermindern läßt. Wirkliche Abhilfe schaffen nur Zentralstaubsauger, weil sie die Abluft gleich hinaus befördern.

Der Umweltchemiker warnt davor, Schimmel als Schönheitsfehler anzusehen: „Die Probleme sind Jahrzehnte lang nicht zur Kenntnis genommen worden.“ Bei der Bekämpfung dürfe man nicht leichtfertig vorgehen. Kleine Schimmelflecken bis zu einem Viertelquadratmeter könne jeder selbst entfernen, wenn auch nicht mit handelsüblichen Chemo-Killern auf Chlorbasis: „Das hieße den Teufel durch den Belzebub austreiben. Und in zwei Wochen hat man das gleiche Problem wieder.“ Bei größerem Befall brauche man definitiv einen Fachmann. Ein Trost bleibt, so Daniel Jung: „Ich habe noch kein Problem gefunden, das nicht lösbar gewesen wäre.“

Nähere Infos auf der Homepage www.umweltzentrum-hildesheim.de. Anfragen sind auch per Mail möglich: info@umweltzentrum-hildesheim.de





Pressemeldungen




Erschienen in der TAZ, 13.1.05:

Öko ohne Wenn und Aber
Heinrich Jörg Matthies hat eine neue Maschine erfunden und dämmt nun Häuser mit Cannabis

Bei Hanf denken viele Menschen zuerst an Haschisch oder Marihuana. Doch das ist nicht immer so gewesen und ändert sich gerade wieder. Der Sehnder Heinrich Jörg Matthies war an einem Modellprojekt der Europäischen Union beteiligt. Mit Erfolg: Hanf hat das EU-Zertifikat No. 001 für natürliche Dämmstoffe – die erste europaweite Zulassung auf diesem Gebiet überhaupt. Und damit sich die Pflanze in größerem Maßstab verarbeiten lässt, hat der gelernte Feinmechaniker und Maschinenbau-Ingenieur mit zwei Kollegen gleich die passende Maschine dazu erfunden. Das Patent ist beantragt, die Maschine schon im Einsatz.

Zum Beispiel bei der Isolierung eines Dachstuhls in Hildesheim. Matthias Köhler, der Inhaber des Hauses in der Scheelenstraße, hat sich wegen der ökologischen Vorteile für Hanf und gegen die gängigen Dämmstoffe Cellulose oder Mineralwolle entschieden. Denn selbst unter den als ökologisch eingestuften Dämm-Mitteln ist Hanf das einzige ohne chemische Zusätze. Die sind hier überflüssig, weil die Pflanze wegen ihrer enormen Festigkeit nicht von Ungeziefer befallen wird. Aus dem gleichen Grund erfüllt sie auch problemlos alle Brandschutzvorschriften.

Der Nachteil der großen Härte und der klettenartigen Struktur ist freilich, dass Hanf bisher nicht wie etwa Cellulose zu feinem Pulver zerkleinert und dann mit einer Maschine in Hohlräume eingeblasen werden konnte. Herkömmliche Maschinen waren sofort verstopft und verklemmt. „Wir erzeugen aber einen Pfropfen, der sofort wieder aufgelöst wird. Dann wird der zerkleinerte Hanf mit dem erforderlichen Druck durch einen Schlauch geblasen“, erklärt Heinrich Jörg Matthies seine Lösung. „Dieses Verfahren ist nicht ganz staubfrei, aber es funktioniert.“

Ursprünglich hat Matthies, der Mitglied im Hildesheimer Umweltzentrum ist, eine Maschine konstruiert, die handelsübliche Dämmstoffe einblasen sollte. Denn diese Methode sei gegenüber der Handarbeit – etwa mit Matten – schneller und damit für den Abnehmer kostengünstiger. „Doch dann habe ich in Hildesheim Kontakt zu Rainer Nowotny von der Hanffaserfabrik Uckermark bekommen“, erzählt er. Sie liegt in der Nähe von Prenzlau und verarbeitet Nutzhanf, der vor allem in ostdeutschen Bundesländern angebaut wird. Das ist seit 1993 wieder erlaubt, nachdem die Pflanze wegen ihrer berauschenden Wirkung über Jahrzehnte verboten war. Nutzhanf allerdings enthält den Wirkstoff THC kaum, so dass kein Haschisch oder Marihuana entstehen kann; dass dies wirklich so ist, wird vom Zoll zweimal jährlich überprüft.

Ursprünglich, sagt der 45-jährige Matthies, sei Hanf eine wild wachsende Pflanze gewesen, die auf der ganzen Welt kultiviert worden sei – als Grundstoff für Kleidung, Seile oder auch für Arzneimittel. Matthies: „Bis 1920 war Cannabis der Grundstoff von 80 Prozent aller Medikamente.“ Hanf ist eine anspruchslose Pflanze, hat tiefe Wurzeln, braucht wenig Nährstoffe und wächst so schnell, dass es Unkraut in seinem Schatten stehen lässt. Als Dämmung verwendet, hat es gegenüber anderen Materialien den Vorteil, dass es keinen absolut luftdicht abgeschlossenen Hohlraum benötigt. Anders als die „Konkurrenz“ darf es ruhig feucht werden, denn die Feuchtigkeit wird auf natürliche Weise wieder ausgedünstet. Und damit verringert sich die Gefahr von Bauschäden.

Gemeinsam mit dem Prenzlauer Cannabis-Anbauer hat Matthies das Dämm-Hanf als EU-Craft-Project angemeldet und sich die Unterstützung der Europäischen Union gesichert. Einige Gebäude hat der Sehnder bereits damit isoliert, zur Zeit sind er und seine Mitarbeiter dabei, das System zu verbessern, um es noch vielseitiger einsetzen zu können.

Wer nun vermutet, die ökologische Lösung sei deutlich teurer als eine herkömmliche, liegt falsch. Die Preise sind fast identisch. Bis Ende 2004 hat das Landwirtschaftsministerium Dämm-Hanf mit 25 Euro pro Kubikmeter bezuschusst. Auch für die Zukunft seien öffentliche Fördergelder in Planung, so Heinrich Jörg Matthies. Und schließlich gibt es noch eine andere Lösung, die am kostengünstigsten ist. Matthies: „Man kann das auch selber stopfen.“ Nur dauert die Arbeit etwas länger.

Nähere Informationen gibt es im Internet auf den Seiten www.umweltzentrum-hildesheim.de und www.geko-maschinenbau.de

Erschienen Peiner Allgemeine Zeitung 20.10.04 und Der Hildesheimer 11/04:

Umweltzentrum informiert
über „Lebendige Dächer“

Hildesheim. „Lebendige Dächer“ stehen beim Umweltzentrum Hildesheim im Mittelpunkt: Mit einem Vortrag über Vorteile und Möglichkeiten der Dachbegrünung beginnt am Mittwoch, 27. Oktober, eine neue Herbstreihe zu Fragen umweltbewussten Lebens und Wohnens. Referent ist der Hannoversche Experte Jörg Ewald, sein Vortrag im „Szenario“ neben der Halle 39 beginnt um 19.30 Uhr.

Bewachsene Dächer haben eine ganze Reihe von Vorteilen: Sie isolieren gegen Wärme, Kälte und Verkehrslärm. Zugleich haben sie positive Auswirkungen auf das Öko-System einer Stadt: Erstens verschwindet nicht ein Großteil des Regenwassers in der Kanalisation, zweitens entstehen auf den Dächern Mini-Biotope, die das Klima verbessern und zur Sauerstoffproduktion beitragen – Schweb- und Schadstoffe werden der Luft entzogen, so dass sich die Qualität der Luft verbessert. Viele Städte fördern Dachbegrünungen deshalb mit Zuschüssen.

Alle Dächer bis zu einer Neigung von 30 Grad, in Ausnahmefällen sogar bis 45 Grad, können bepflanzt werden. Sedumgewächse, Steinrosenflur, Lavendelheide oder Immergrün können Bitumen-, Kies- oder Betondächer in blühende Flächen verwandeln. Jörg Ewald wird über praktische Erfahrungen mit solchen „lebendigen Dächern“ berichten und informieren, worauf bei einer Begrünung besonders zu achten ist.

Weitere Vortragstermine sind am 10. November (Traute Boll: Baustoffe – kinesiologisch betrachtet) und am 2. Dezember (Thorsten Lübke: Photovoltaik – Chance oder Risiko), jeweils um 19.30 Uhr im „Szenario“. Nähere Informationen über das Umweltzentrum bietet die Homepage www.umweltzentrum-hildesheim.de


Erschienen in der TAZ 28.8.04 & Alfelder Zeitung 10/04

Sumpfkalk statt Riesterrente
Natur und Tradition sind die wichtigsten Ratgeber
in Gert Ziesemanns Farbenlehre

Sehlem. „Schwalbenkot auf der Verpackung ist kein Reklamationsgrund“, steht unten auf dem Lieferschein für „Naßmuster Standölfarbe Ginstergelb“. In der nächsten Zeile wird das Kleingedruckte sogar politisch: „Wir fordern: Schwalbenkot statt ,blauer Engel’ als EU-Norm.“ „Es ist schon ein bisschen trotzig“, sagt Gert Ziesemann schmunzelnd, „aber es soll ja auch Spaß machen.“

Der 54-jährige aus Sehlem im Süden Niedersachsens kann sich solche Späße erlauben. Seine Firma „Kreidezeit“ verzeichnet mit Farben aus natürlichen und giftfreien Rohstoffen kontinuierlich wachsende Umsatzzahlen. Und der Hinweis auf etwaige Reklamationen ist nicht einmal ein Witz: Tatsächlich haben Dutzende von Rauchschwalben unter den Dächern genistet, so dass in den Versand- und Produktionshallen den ganzen Tag eifriger Flugverkehr herrscht.

Draußen an der Hauswand steht, von der Witterung angenagt, eine alte Maschine aus Holz. Sie stammt etwa aus dem Jahr 1896 und ist ursprünglich genutzt worden, um Speiseeis herzustellen. Vor 16 Jahren hat sie zu einer neuen Bestimmung gefunden, als Gert Ziesemann einen Ziegenstall zu einer Farbenwerkstatt umfunktionierte. In der ehemaligen Eismaschine mischte er Naturfarben für den eigenen Gebrauch, öfters auch für Freunde und Bekannte. Und so gerieten die Dinge ins Rollen.

Ziesemann ist gelernter geologisch-paläontologischer Präparator, hat als Müllwerker, Straßenkehrer, Fernfahrer, Maler und Bauleiter gearbeitet. Eine Farbenfabrik habe er nie geplant, erzählt er. Vielleicht, weil es für ihn „von Kindesbeinen an das Normalste der Welt“ war, Farben selbst anzumischen. Schon mit elf oder zwölf Jahren habe er zum ersten Mal ein Fachwerkhaus gestrichen und sich dafür wertvolle Tipps vom alten Sehlemer Malermeister Drähne geholt.

Im Ziegenstall und auch noch im „Werk II“, einem Bullenstall in Harbarnsen, habe er „unter Produktionsbedingungen wie im 16. Jahrhundert“ gearbeitet, sagt Ziesemann. Eines Tages sah er mit seinen Kindern die „Sendung mit der Maus“, und es sei viel Unsinn über Farben darin verbreitet worden. Ziesemann beschwerte sich bei den Machern und bot an, „mal etwas Vernünftiges“ über das Thema zu bringen. Die TV-Leute besuchten ihn tatsächlich, drei Maus-Sendungen über die traditionelle Herstellung von Farben waren das Ergebnis.

„Danach kam wäschekorbweise Post. Das war wie im Comic.“ Das Interesse an Farben ohne Chemie und Gift war so groß, dass es dem Selfmade-Experten nun dämmerte: Er musste seine Arbeit auf eine professionelle Basis stellen. Es dauerte eine Weile, da die Banken sich weigerten, Kredite „für Quarkfarben und Bierlasuren“ zu vergeben. Doch mit einem bundesweiten Förderprogramm für „soziale Betriebe“ hat es vor zehn Jahren geklappt: „Kreidezeit“ wurde gegründet.

In einem ehemaligen Sägewerk bei Sehlem hat die Firma ihren Sitz. Längst geht es dem Mitglied des Hildesheimer Umweltzentrums nicht mehr darum, einfach Bio-Alternativen zu den Industriefarben herzustellen. Spezialität Ziesemanns und seiner 20 Mitarbeiter ist vielmehr das Neubeleben alter Arbeitstechniken. „Im Prinzip machen wir nichts anderes als das, was Maler und Drogisten seit Jahrhunderten getan haben. Und wir schmeißen die kritischen Stoffe wie Arsen, Blei oder Kadmium raus.“ Stoccolustro etwa ist eine Spachteltechnik aus dem alten Rom, Tadelakt kommt aus Marrakesh und schafft marmorartige, wasserabweisende Kalk-Oberflächen, die immer mehr Liebhaber findet. „Kreidezeit“ hat das Verfahren modifiziert und ist der einzige Anbieter in Deutschland.

Gert Ziesemann schwört auf traditionelle Farben. Auch, weil sie viel beständiger als Industriefarben seien. Das hat sich vor allem in der Denkmalpflege herumgesprochen, die zu seinen häufigsten Kunden zählt: Das Rathaus in Bremen, Bundespräsidialamt, Residenzschloss und Goethehaus in Weimar oder das Hundertwasser-Gymnasium in Wittenberg sind nur einige der Gebäude, die mit Naturfarben aus Sehlem restauriert wurden. In Seminaren sorgen die Mitarbeiter von „Kreidezeit“ dafür, dass Maler, Stuckateure, Lehmbauer und Künstler mit den neuen alten Techniken vertraut werden.

Workshops in ganz Europa und Japan gehören zu Ziesemanns Job, aber die meisten Seminare finden daheim in Sehlem statt. Die Teilnehmer werden mit Kürbissuppe bewirtet, denn im firmeneigenen Kompost, auf dem auch die Farbreste der Produktion landen, gedeihen prächtige Hokaidos.

Für 2005 plant Gert Ziesemann den nächsten Coup – unter dem Motto „Sumpfkalk statt Riesterrente“. Sumpfkalk, ein Grundstoff für viele Farben und Putze, wird umso besser, je älter er ist. Der Geschäftsmann will nun einen halben Hektar Brachland drei Meter tief ausbaggern lassen, Sumpfkalk einfüllen und über Jahrzehnte reifen lassen. Von dem Erlös, hat Ziesemann errechnet, müsste für jeden seiner 20 Mitarbeiter eine monatliche Betriebsrente von 2000 Euro herausspringen. Und die Schwalben? Haben bei ihm sowieso lebenslanges Wohnrecht.

Nähere Informationen gibt es im Internet auf den Seiten www.kreidezeit.de und www.umweltzentrum-hildesheim.de